Pressekonferenz Toby E. Rodes „11 Thesen zur Kommunikation“ – Ausführungen des Autors

19. Februar 2012 | Von | Kategorie: Berichte

Toby E. Rodes

11 Thesen zur Kommunikation

Ausführungen des Autors


Grüetzi, meine Damen und Herren!

Die Gegenwart unserer des Schwyzer Dütsch nicht kundigen Gäste und die Hoffnung, eine vollendete Kommunikation zu bewirken, sind Anlaß genug, mich des Hochdeutschen zu bedienen.

Kommunikation ist, wie auf dem Umschlag des Buches angedeutet, einem Labyrinth zu vergleichen. Darum möchte ich mit meiner Arbeit helfen, daß sich der verschlungene Weg, der zu einem guten Zweck führen soll, leichter finden läßt.

Die Binsenwahrheit, daß Kommunikation unter Lebewesen im Mutterleib beginnt und mit dem Tod endet, wird allzu oft ignoriert. Es gibt Menschen, die sich viel mit Kommunikation befassen und solche,  die sie fast nur unbewußt betreiben und erleben. Ich gehöre seit meiner Kindheit, seit ziemlich genau 75 Jahren, zur ersten Gruppe. Mit elf Jahren beschloß ich, Musiker und Dirigent  zu werden, also zu kommunizieren. Im Alter von 12 Jahren wurde ich in der lutherischen Konfirmationsstunde mit Philologie  konfrontiert: ich störte den Unterricht mit meinen Fragen über die Wandlung von Begriffen in den verschiedenen Sprachversionen der Bibel. Ich wollte wissen, wie die junge Mutter Jesu und seiner Geschwister – lateinisch virgo = junge Frau – in der Übersetzung zur „unbefleckten“ Jungfrau Maria wurde. Um Ruhe in der Klasse zu haben, steckte mich Pfarrer Fresenius in seine gut bestückte Bibliothek und ließ mich dort Antworten auf meine Fragen suchen. Das war eine große Lektion in Kommunikation.

Mit 13 nahm ich für kurze Zeit Gymnastik-Tanzunterricht, weil ich zu diesem Zeitpunkt Musical Clown à la Grog werden wollte. Ich wollte kommunizieren. Mit dem Erfolg, daß mir die kommunikativen Eigenheiten verschiedener Sprachen Zeit meines Lebens bewußt waren. Ich wuchs multilingual auf. Englisch mütterlicherseits, amerikanisch väterlicherseits, deutsch war die lokale Sprache. Mein Vater sprach hochdeutsch und  bayrisch und ziemlich gut spanisch, meine Mutter hochdeutsch und hannoverisch und ziemlich gut französisch. Mit 8 Jahren begann Latein im Gymnasium und mit 10 kam altgriechisch dazu. Die Ferien verbrachten wir fast immer in den Dolomiten, dort lernte ich zunächst einige Brocken italienisch, bis mein Vater, um einer Florentiner Witwe zu helfen, diese beauftragte, mir 13-jährigen am schulfreien Mittwoch ein „anständiges“ Italienisch beizubringen. Mit 14  las ich Dante im Original (das kann ich heute nicht mehr so gut). Als 15-jähriger kam ich in ein englisches College am Genfer See, das tat meinem Französisch gut. Mit 16 machte ich dort Abitur und begann mein Studium in London und New York.

Das war erlebte Kommunikation und von der Zeit an begleitete mich Kommunikation eigentlich immer bewußt. Meine Universitätsthese, meine Arbeit in der Auslandsabteilung der Bank of the Manhattan Company, meine Arbeit  in der American Near East Corporation und der Anec Trading Company mit Büros in Kairo, Tel Aviv, Paris, Zürich, Genf, Casablanca und Oran lehrten mich viele Aspekte der Kommunikation. Mehr noch erlebte ich zwischenzeitlich im Krieg in leitender Stellung als Offizier in der Psychologischen Kriegsführung und nach Kriegsende in der Abteilung Informationskontrolle. Das war Kommunikation, aber auch  Propaganda.

Vor 55 Jahren folgte reine kommunikative Arbeit als Informations-Chef für den Marshall-Plan in Deutschland, wo ich unter anderem Filme und Ausstellungen machte. Ich veranstaltete Events, betreute den ersten Kongreß für kulturelle Freiheit und half dem Berliner Filmfestival auf die Beine. 1955 übernahm ich die Leitung der internationalen Aktivitäten (mit Ausnahme von Mexiko und Kanada) von Knoll International, der bekannten Designmöbel-Firma. Ich organisierte mit meinen Angestellten PR-Aktivitäten in verschiedenen Ländern und wurde in den Exekutiv-Ausschuß des Aufsichtsrats der PR-Agentur des PR-Pioniers Julius Klein berufen. 1966 gründete ich meine eigene Agentur, die Toby E. Rodes Consultants, und übernahm die europäische Vertretung von Kleins Agentur.  1977 verfaßte ich die Schrift „PR -Ein kleines Public Relations Brevier“ und nun dieses Buch, das einen Versuch darstellt, Anstöße zur Optimierung der globalen Kommunikation zu geben.

Die Welt hat immer noch absolut nichts nötiger als bessere Kommunikation im ursprünglichen Sinne des Wortes.  Denn die fatalen Folgen mangelhafter Kommunikation im  Zeitalter der Elektronik sind wesentlich größer und gravierender als in früheren Epochen. Fast täglich erfahren wir von irgendwo auf der Welt, daß meist blutige, nur zu oft mörderische und immer menschenverachtende religiöse und politische Machtkämpfe auf der Basis mangelhafter Kommunikation ausgetragen werden. Es stimmt mich pessimistisch, was die Zukunft der uns nachfolgenden Generationen angeht, wenn ich von den politisierten religiösen Machenschaften höre, die Darwinsche Entstehungstheorie zu verneinen und deren Lehre zu verbieten, wie das zur Zeit bei uns in Amerika geschieht. Oder zu sehen, wie die kriminellen Horden des irischen Pfarrers der Englischen Kirche Ian Paisley katholische Kinder und Frauen  zusammenschlagen, oder wie die terroristischen Islamisten wieder einmal die Welt kriegerisch zu erobern versuchen. Das ist alles leider kein Wunder, wenn man bedenkt, daß gerade letzte Woche der 27-jährige Versuch einer Einigung zwischen der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands geplatzt ist, eine gemeinsam akzeptierte Übersetzung der Bibel zu erarbeiten. Denn Rom wollte das Sagen haben. Das aber ist eben keine echte Kommunikation.

Um es vorwegzunehmen: in meinem Buch schlage ich gegen Ende vor, den aus vielerlei Gründen abgenutzten Begriff Kommunikation durch den Begriff Comprehension/Verständnis zu ersetzen. Denn echte Kommunikation setzt einen auf Verständnis beruhenden Dialog voraus. Und deshalb schlage ich ganz bewußt vor, daß schon in der Grundschule das Debattieren erlernt wird, nachdem hier in Zürich ja schon ein entsprechender Versuch gestartet worden ist.

Eigentlich müßte man einige Archen, wie die des Noah, mit Alfa-Menschen verschiedenster Herkunft füllen, damit sie Verständnis lernen und erleben!

So weit vorerst.

Ich danke Ihnen!

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