Das gebremste Lachen

25. Januar 2012 | Von | Kategorie: Lieferbare Titel

22 Jahre nach der Wiedervereinigung, liest man mit Staunen und Bewunderung, wie treffend die Satiriker den Alltag in der DDR beschrieben haben, uns zeigten, wie der „realexistierende Sozialismus“ unterlaufen wurde. Und, früher als im Westen, auf drastische Weise die Vergiftung der Umwelt angeprangert haben.

Kurt Tucholsky schrieb 1919 seine immer wieder lesenswerte Betrachtung: „Was darf die Satire?“ Darin heißt es: „Die Satire muss übertreiben und ist in ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: „Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten. Was darf die Satire? Alles.“
Ein anderer Kurt, nämlich Kurt Hager, sagte auf einer Tagung des Zentralkomitees der SED am 6./7. Juli 1972: „Durch Lachen, Humor, Heiterkeit sollten die Künstler stärker sozialistisches Selbstbewußtsein, Überlegenheitsgefühl fördern helfen. Manchmal bedarf es nicht nur gutmütigen Humors, sondern auch spitzer Ironie und bissiger Satire, die vor allem den gegner entlarvt, seine Hohlheit und Aufgeblasenheit, die sich aber auch gegen alles richten kann, was sich bei uns an unsozialistischen Verhaltensweisen breitmacht und nicht gutmütig geduldet werden kann. Wie wir auch zu wachen wissen, dass niemand unsere Bereitschaft zur Selbstkritik für das schmutzige geschäft unserer Feinde ausnutzen kann.“
Weil sich die Satiriker in der DDR nicht nach Kurt Tucholsky richten durften, sondern eben nach Kurt Hager richten mussten, waren die ideologischen Grundlagen des Marxismus-Leninismus tabu, die sowjetische Politik sowie die „unverbrüchliche Freundschaft zur Sowjetunion und tabu war jegliche satirische Darstellung der führenden Politiker des Ostblocks. Tabu waren ebenso die Nationale Volksarmee, die paramilitärischen Verbände, die östliche Aufrüstung überhaupt. Und nicht zuletzt durften keine satirischen Bemerkungen über die „Mauer“ und die politische Justiz gemacht werden.
Nun, 22 Jahre nach der Wiedervereinigung, liest man mit Staunen und Bewunderung, wie treffend die Satiriker den Alltag in der DDR beschrieben haben, uns zeigten, wie der „realexistierende Sozialismus“ unterlaufen wurde. Und, früher als im Westen, auf drastische Weise die Vergiftung der Umwelt angeprangert haben.

Peter Boris
Das gebremste Lachen
Bilder und Berichte aus der DDR
16 Farbtafeln und zahlreiche einfarbige Karikaturen
Band 2
127 Seiten
Ladenpreis: 9,90 €
ISBN3-88540-021-9

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